Zu Hause ist, wo sich das WLAN automatisch verbindet ;-)

Die Stimmung in unserer Familie ist meist recht gut und oft scheint es, als würde vieles "wie am Schnürchen" laufen. Und ganz ehrlich gesagt, das tut es oft auch. Trotz der neuen Kultur, dem fremden Land und dem Vermissen der Freunde und Familie sind wir Ende April in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, sehr gut angekommen. Von dem, was nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben, möchten wir aber auch kurz berichten. Ein wahrer Segen war es für uns, ein Haus zur Miete zu finden, das nur fünf Gehminuten von unserem Arbeitsplatz bei Nehemia entfernt liegt. Zudem sind wir die ersten Mieter, denn das Haus sollte zum 01. Juni fertig gestellt und einzugsbereit sein. Großzügig geschnitten, mit Garten, Kamin im Wohnzimmer, Badewannen für Kinder und Eltern, und das sogar innerhalb unseres Budgets… So lief die Wohnungsbesichtigung sehr gut, alles blitzte und funkelte im ersten Moment und wir freuten uns auf den Einzug.


Leider mussten wir dann, nachdem sich der Umzug um zwei Wochen verschoben hat, nach und nach immer mehr Mängel feststellen, die uns richtig Nerven gekostet haben. Von aus der Wand fallenden Steckdosen, der unfertigen Küche, fehlenden Wasseranschlüssen, defekten Türschlössern, nicht schließbaren Fenstern, leeren Wasserleitungen, nicht funktionierendem Internet bis hin zu den ständigen Elektrizitätsausfällen. Das schwierigste war, dass wir nach dem Einzug feststellen mussten, dass der Holzboden im gesamten Haus wie zäher Honig klebte. Die Madagassischen Vermieter meinten, dass sich dies noch legen würde und wir einziehen können. Nachdem aber drei Wochen Trocknungszeit für die Bodenlasur verstrichen war und keine Besserung eintrat, musste der gesamte Boden abgeschliffen werden, damit die (wahrscheinlich gepanschte) Lasur komplett verschwindet.



Wir lebten also für die ersten zwei Wochen in der Küche des Hauses und schliefen gemeinsam auf dem Wohnzimmerboden, da die Zimmer aufgrund der Arbeitsmaßnahmen nicht betretbar waren.


Durch die kalten Nächte im Madagassischen Winter, welche mit 10 Grad plus daherkommen, hatten wir ebenso die gleiche Temperatur im Innenbereich wie im Freien. Abhilfe sollte der Kamin schaffen. Dieser entpuppte sich aber eher als Dekoration, denn die Wärme des Schmuckstückes spürte man nur, wenn man direkt davorsaß. Dafür produziert der Kamin reichlich Rauch, welcher sich schnell in der gesamten Wohnung verbreitet hat. Es kam dann, wie es kommen musste: Durch die Kälte in der Nacht und dadurch, dass wir das Gemüse vom Markt nicht ausreichend desinfiziert haben, wurden wir alle krank. Erbrechen und Durchfall bei den Kindern, welche kleinere und größere Katastrophen in der Nacht verursacht haben, waren die Folge. Zugespitzt hat sich die Situation dadurch, dass der Strom immer wieder für längere Zeit ausfiel. Ohne Strom keine Pumpe, die das Wasser in die Waschmaschine zum Waschen der Bettwäsche oder zum Toilette Spülen befördert, ohne funktionierende Toilette bei besagten Krankheiten…verstopftes Klo und eine große Sauerei.


Ich führe an dieser Stelle nicht weiter aus, sondern springe vor bis zum Ende der Krankheitstage, an denen ich, Stefan, nun endlich die Badewanne einweihen wollte. Voller Vorfreude auf den Genuss stieg ich ein, um sehr kurze Zeit später feststellen zu dürfen, dass die Größe des Warmwasserboilers nicht der Größe der Badewanne entsprach. Schön, eine Badewanne zu haben, aber nutzlos, wenn diese wie im Bild zu sehen nur bis zu den Zehenspitzen gefüllt werden kann.



Bis heute, Anfang Juli, haben wir fast täglich Besuch von Handwerkern, die hier und da Qualitätsmängel beheben müssen.

Im Nachhinein hat es uns geholfen, uns an die madagassische Arbeitskultur, die Qualität der Arbeitsmaterialien und der Kommunikation mit den Menschen zu gewöhnen. Man landet nicht in einem der ärmsten Länder der Welt und legt den Schalter um. Wir sind immer noch Deutsche und obwohl wir uns bemühen, uns anzupassen, geht das nur nach und nach. Die gelernten Lektionen der letzten Wochen haben uns ein Stück mehr auf den Boden der Tatsachen gebracht und ließen uns feststellen, wo unsere Erwartungen an ein neues Haus vielleicht zu hoch waren, aber auch wo insbesondere durch mangelnde Ausbildung, fehlendem Qualitätsbewusstsein oder schlechter Kommunikation mit den Arbeitern in Madagaskar Luft nach oben besteht. Wir wollen in Zukunft, bestimmt auch bei Nehemia, daran arbeiten und zu einer Verbesserung beitragen, indem wir unsere deutschen Stärken einbringen.

Alles in allem sind wir glücklich und ebenso dankbar, dass Gott uns Herausforderungen schenkt, an denen wir lernen und wachsen können. Wir dürfen nach mehreren Wochen (Nach)Arbeit ein sehr schönes Haus bewohnen und können uns nun einrichten.


P.S. nach neunmaligem Aufsuchen des Kundenservices funktioniert nun auch unser WLAN ;-)


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